Der Harz – Brocken, Hexen und das nördlichste Mittelgebirge Deutschlands

Der Harz ist ein Gebirge mit einer doppelten Seele: außen romantisch und sagenumwoben — Goethe ließ Faust auf dem Brocken tanzen, Hexen ritten auf Reisigbesen gen Walpurgisnacht —, innen aber von Jahrhunderten schwerem Bergbau durchzogen. Silber, Kupfer und Eisen machten den Harz zu einem der bedeutendsten Industriezentren des Heiligen Römischen Reichs. Und heute liegt er wieder im Wandel: Der Klimawandel hat weite Teile des Fichtenwaldes vernichtet, und ein neues, naturnaheres Harz entsteht — ob man es will oder nicht.

📌 Harz auf einen Blick: Höchster Gipfel: Brocken 1.141 m | Fläche: ~2.226 km² | Lage: Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen | Nationalpark: seit 1990/2006


Inhaltsverzeichnis

  1. Steckbrief
  2. Geographie und Gliederung
  3. Der Brocken – Berg der Mythen
  4. Bergbaugeschichte: Silber, Kupfer, Salz
  5. Nationalpark Harz
  6. Harzer Schmalspurbahn
  7. Sagen und Brauchtum
  8. Tourismus und Wandern
  9. FAQ

Steckbrief

MerkmalDaten
Höchster GipfelBrocken, 1.141 m ü. NN
Flächeca. 2.226 km²
LageNiedersachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen
GesteinGranit (Oberharz), Schiefer, Kalk (Unterharz)
Längeca. 110 km (West-Ost)
Breiteca. 30–40 km
NationalparkNationalpark Harz (seit 1990/2006, 247 km²)
UNESCOUNESCO-Welterbe Oberharzer Wasserwirtschaft
Berühmte StädteGoslar, Wernigerode, Quedlinburg, Clausthal-Zellerfeld
Typische TiereWolf, Luchs, Wildkatze, Uhu, Schwarzstorch

Geographie und Gliederung

Oberharz und Unterharz

Der Harz gliedert sich in zwei Hauptregionen: Der Oberharz im Westen ist das höhere und niederschlagsreichere Gebiet — hier liegt der Brocken, hier fallen bis zu 1.800 mm Regen und Schnee pro Jahr. Der Unterharz im Osten ist sanfter, mit breiteren Tälern und einer milderen Gebirgslandschaft.

Karstlandschaft des Südarzes

Im Südharz liegt die bedeutendste Karstlandschaft des Harzes mit spektakulären Höhlen: Die Baumannshöhle und Hermannshöhle bei Rübeland gehören zu den ältesten und bekanntesten Besucherhöhlen Deutschlands. Tropfsteine, unterirdische Seen und die Überreste von Eiszeitfauna (Höhlenbären) machen sie zu geologischen Schatzkammern.


Der Brocken – Berg der Mythen

Deutschlands sagenumwobenster Gipfel

Der Brocken (1.141 m) ist nicht der höchste, aber zweifellos der berühmteste Gipfel des Harzes — und einer der bekanntesten Berge Deutschlands überhaupt. Seine Kahlheit (oberhalb der Baumgrenze, die hier bei ~1.100 m liegt), seine häufige Nebelbedeckung (im Durchschnitt 306 Nebeltage pro Jahr) und seine Isolation in der norddeutschen Tiefebene haben ihm seit Jahrhunderten einen mythischen Status eingebracht.

Goethe und Faust

Johann Wolfgang von Goethe bestieg den Brocken mehrfach und machte ihn in seinem Drama „Faust“ zur Bühne der Walpurgisnacht — dem 30. April, wenn die Hexen auf dem Gipfel tanzen. Goethes Brocken-Erfahrungen (Besteigung 1777, 1783) prägten seine Naturphilosophie nachhaltig.

Cold War Brocken

Während der deutschen Teilung war der Brocken militärisches Sperrgebiet. Die DDR betrieb auf dem Gipfel eine große Abhöranlage der sowjetischen und ostdeutschen Geheimdienste. Die mächtigen Sendeantennen auf dem Gipfel — heute noch sichtbar — sind Relikte dieser Zeit. Erst nach der Wiedervereinigung wurde der Berg 1990 wieder für die Öffentlichkeit zugänglich.


Bergbaugeschichte: Silber, Kupfer, Salz

Tausend Jahre Bergbau

Der Harzer Bergbau hat eine Geschichte von über 1.000 Jahren. Bereits im 10. Jahrhundert unter Kaiser Otto dem Großen wurde im Harz Silber gefördert. Im 16. und 17. Jahrhundert war der Rammelsberg bei Goslar eine der wertvollsten Erzlagerstätten Europas — Silber, Kupfer und Blei flossen in die Schatzkammern der Herzöge und Kaiser.

UNESCO-Welterbe Oberharzer Wasserwirtschaft

Das Oberharzer Wasserregal ist ein bis zu 500 Jahre altes Bergbau-Wassermanagementsystem mit über 100 Teichen, 500 km Gräben und 30 km Tunneln. Es diente zur Energieversorgung der Bergbaumaschinen. Heute ist es UNESCO-Weltkulturerbe (seit 2010) — eines der bedeutendsten erhaltenen Beispiele vorindustrieller Ingenieurskunst in Europa.

Goslar — Kaiserstadt und Bergbaumetropole

Goslar ist die beeindruckendste Bergbaustadt des Harzes. Die historische Altstadt mit dem Kaiserworth, dem Dom-Vorhalle und dem mittelalterlichen Marktzentrum steht auf der UNESCO-Welterbeliste (1992, gemeinsam mit dem Rammelsberg und der Altstadt). Goslar war zeitweise Lieblings-Residenz der deutschen Kaiser — über 20 Reichstage wurden hier abgehalten.


Nationalpark Harz

Zwei Nationalparks — ein Gebirge

Der Nationalpark Harz entstand aus der Fusion zweier Vorläufer: des Nationalparks Hochharz (DDR, 1990) und des Nationalparks Harz (Niedersachsen, 1994). 2006 wurden beide unter dem gemeinsamen Namen Nationalpark Harz zusammengeführt. Mit 247 km² ist er der einzige Nationalpark in Norddeutschland.

Der Borkenkäfer und die Entstehung neuer Wildnis

In den 2010er Jahren wurde der Harz vom schlimmsten Borkenkäfer-Befall seiner Geschichte heimgesucht. Dürresommer schwächten die Fichten, der Borkenkäfer tat den Rest. Hunderttausende Hektar Fichtenwald starben ab. Das Nationalparkmanagement — entgegen massivem politischem Druck — ließ die toten Bäume stehen. Das Ergebnis: Eine neue Waldwildnis entsteht aus dem Totholz. Birken, Weiden, Farne und ein strukturreicher Naturwald folgen den stehenden Skeletten der toten Fichten.

Wolfspopulation

Der Harz ist eines der bedeutendsten Wolf-Wiederansiedlungsgebiete Deutschlands. Seit den ersten Nachweisen in den 2000er Jahren haben sich im und um den Nationalpark mehrere Wolfsrudel etabliert. Die Rückkehr des Wolfes ist ökologisch bedeutend — und gesellschaftlich hoch umstritten.


Harzer Schmalspurbahn

Drei Bahnen — ein Netz

Das Harzer Schmalspurbahnnetz mit 140,4 km Streckenlänge ist das größte zusammenhängende Schmalspurbahnnetz Deutschlands und fährt noch heute regelmäßig mit Dampflokomomotiven. Es gliedert sich in drei Bahnen:

  • Harzquerbahn (Nordhausen–Wernigerode, 60,5 km)
  • Selketalbahn (Quedlinburg–Eisfelder Talmühle, 56,5 km)
  • Brockenbahn (Drei-Annen-Hohne–Brocken, 19 km)

Die Brockenbahn ist die touristisch berühmteste — sie fährt schnaufend und dampfend bis auf den Gipfel des Brockens, und das bei jedem Wetter.


Sagen und Brauchtum

Walpurgisnacht am Hexentanzplatz

Jedes Jahr am 30. April feiern Tausende auf dem Hexentanzplatz bei Thale und auf dem Brocken die Walpurgisnacht — die Nacht, in der nach altem Volksglauben Hexen auf Besen reiten und mit dem Teufel tanzen. Das Fest ist heute eine Mischung aus Brauchtum, Tourismusveranstaltung und Party. Die Harzer Verkehrsbetriebe führen Sonderzüge auf dem Brocken.


Tourismus und Wandern

Harzer Hexenstieg

Der Harzer Hexenstieg (100 km, Osterode–Thale) ist der bekannteste Wanderweg des Harzes. Er führt in 5–7 Tagen quer durch das Gebirge, über den Brocken und durch die wildesten Täler. Bewertet als einer der schönsten Fernwanderwege Deutschlands.

Quedlinburg — Romanisches Juwel

Quedlinburg am Harzrand ist ein Juwel der romanischen Architektur. Das Stift Quedlinburg mit der Stiftskirche St. Servatius auf dem Schlossberg steht seit 1994 auf der UNESCO-Welterbeliste. Heinrich I. und seine Frau Mathilde sind hier begraben — die Gründer des deutschen Königtums.


FAQ

Was ist der höchste Berg im Harz? Der Brocken mit 1.141 m ist der höchste Gipfel des Harzes und das nördlichste Mittelgebirge Deutschlands.

Warum ist der Brocken so berühmt? Durch Goethes „Faust“ (Walpurgisnacht auf dem Brocken), seine Nebelhäufigkeit, die Cold-War-Geschichte als Abhörstation der DDR und die Harzer Schmalspurbahn, die bis auf den Gipfel fährt.

Was ist das Oberharzer Wasserregal? Ein bis zu 500 Jahre altes Wasserwirtschaftssystem mit Teichen, Gräben und Tunneln, das die Energie für den historischen Bergbau lieferte. Seit 2010 UNESCO-Weltkulturerbe.


Letzte Aktualisierung: Januar 2024 | Alle Angaben ohne Gewähr

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